Georgisches Klosterkomplex aus dem 6. Jahrhundert in einer Kalksteinschlucht nahe <strong>Mtskheta</strong>, mit in den Fels gehauenen Höhlenzellen und aktiver Gemeinschaft.

Lage im Kaukasus

Beschreibung

Die Schlucht, die zum Kloster Shio-Mgvime führt, öffnet sich unvermittelt in der trockenen Hochebenenlandschaft nördlich von Mtskheta. Der Schotterweg führt zwischen ockerfarbenen Kalksteinwänden hinab, und um eine Kurve biegend erscheint der Komplex: eine Kuppelkirche, ein Glockenturm und Dutzende von Zellen, die direkt in den Fels des Hanges gehauen wurden, manche so klein, dass kaum eine Person liegend hineinpasst.

Es gibt weder Café noch Souvenirladen. Die dort lebenden Mönche pflegen das Gelände mit Zurückhaltung; Besuche werden schweigend durchgeführt und die Hauptkirche ist täglich geöffnet. Das Innere ist karg: Steinwände mit kaum Verzierungen, ein schlichter Altar und das Halbdunkel der schmalen Fenster. Die Akustik verstärkt das geringste Geräusch. Es wird kein Eintritt erhoben; die Mönche nehmen Spenden an.

Die unmittelbare Umgebung lädt zur Erkundung ein: Oberhalb des Klosters gibt es weitere Höhlenzellen, die über informelle Pfade zugänglich sind, und von oben sieht man die gesamte Schlucht mit dem Fluss Mtkvari im Hintergrund. Der Kontrast zwischen der Härte des Felsens und dem klösterlichen Leben, das hier seit fünfzehn Jahrhunderten ohne Unterbrechung andauert, ist es, was diesen Ort von anderen, üppiger ausgestatteten georgischen Klöstern unterscheidet. Es empfiehlt sich, unter der Woche zu besuchen, um den Gruppen auszuweichen, die am Wochenende aus Tiflis anreisen.

Geschichte

Das Kloster wurde von Shio gegründet, einem der dreizehn syrischen Väter, die im 6. Jahrhundert nach Georgien kamen, um das Christentum zu verbreiten. Shio wählte diese abgelegene Schlucht, um als Einsiedler zu leben, und versammelte bald Jünger um sich, die Zellen in den Fels gruben. Die Gemeinschaft wuchs zu einem der bedeutendsten Klosterzentren des mittelalterlichen Georgiens. Es wurde mehrmals von persischen und arabischen Eroberern geplündert und niedergebrannt, aber stets wieder aufgebaut. Die Mönche kehrten nach der Unabhängigkeit Georgiens in den 1990er Jahren an den Ort zurück und unterhalten heute eine stabile Gemeinschaft.

Was zu sehen & erleben

  • Geburtskirche Die Hauptkirche aus dem 6. Jahrhundert bewahrt ihren ursprünglichen Grundriss und einige späte Freskenreste; die Steinkuppel dominiert den Komplex von außen.
  • Höhlenzellen Die Dutzenden von in den Fels gehauenen Kammern in verschiedenen Höhen des Hanges sind das auffälligste Element des Komplexes; einige werden noch von den Mönchen genutzt.
  • Mittelalterliche Zisterne Ein in den Fels gehauener Tank zur Regenwassersammlung, unerlässlich an diesem Ort ohne dauerhafte Wasserquelle in der Nähe.
  • Oberer Pfad Ein Weg, der oberhalb des Klosters aufsteigt, ermöglicht den Zugang zu weiteren abgelegenen Zellen und bietet Aussichten über die Schlucht und das Mtkvari-Tal. Die vollständige Route dauert etwa 45 zusätzliche Minuten.

Anreise

Das Kloster liegt etwa 8 km nordwestlich von Mtskheta auf einem Schotterweg, der mit einem normalen Auto mit Vorsicht befahrbar ist. Von Tiflis erreicht man Mtskheta mit der Marschrutka vom Bahnhof Didube (etwa 20 Minuten, 1 Lari), und von Mtskheta mit dem Taxi zum Kloster für etwa 15–20 Lari (~5–7 €). Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel zum Kloster. Die Zufahrtsstraße ist eng und an einigen Kurven ist beim Begegnen anderer Fahrzeuge Vorsicht geboten.

Beste Reisezeit

Frühling und Herbst sind die angenehmsten Jahreszeiten: Von März bis Mai ist die Schluchtenvegetation grün und die Temperaturen liegen bei 15–20 Grad. Im Sommer ist die Hitze stark — der Fels speichert Wärme — und ein Besuch vor zehn Uhr morgens ist ratsam. Im Winter kann der Zugangsweg eisig und rutschig sein und der Wind in der Schlucht ist schneidend, obwohl die kahle Landschaft ihren eigenen Charakter hat.

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