Mittelalterliches georgisches Kloster über dem Tskhaltsitela-Flusscanyon, 6 km von Kutaisi, mit den Reliquien der Märtyrer David und Konstantin.

Lage im Kaukasus

Beschreibung

Das Kloster Motsameta steht auf einem Felssporn, der sich über den Canyon des Flusses Tskhaltsitela erstreckt wie der Bug eines auf Abgrund aufgelaufenen Schiffes. Um dorthin zu gelangen, lässt man das Auto auf einem Schotterplatz stehen und läuft etwa zehn Minuten auf einem Pfad durch Kiefern und Buchen; das Rauschen des Wassers unten erreicht einen, bevor überhaupt ein Blick auf das Gebäude möglich ist. Als die Kirche der Heiligen David und Konstantin am Ende des Felsvorsprungs erscheint, von drei Seiten von Luft umgeben, ist das Gefühl keines der Großartigkeit, sondern etwas Intimeres: ein Ort, der mit einem sehr konkreten Zweck und ohne jedes Zugeständnis an Ausschmückung gebaut wurde.

Der Innenraum ist klein und kaum natürliches Licht dringt ein. Im Mittelpunkt steht ein dunkler Holzsarkophag mit den Gebeinen der Märtyrerfürsten David und Konstantin von Argveti, die im 8. Jahrhundert von den Arabern hingerichtet wurden. Einheimische Pilger kriechen dreimal unter dem Sarkophag hindurch und sprechen dabei einen Wunsch aus; wer an einem Sonntag kommt, sieht häufig ganze Familien bei diesem Ritual, während Mönche im Nebenraum singen. Es ist kein touristisches Schauspiel, sondern eine lebendige Andachtspraxis — Diskretion ist angebracht.

Die Umgebung ist bemerkenswert gut erhalten. Es gibt weder Souvenirläden noch Cafés auf dem Gelände. Der Besuch wird üblicherweise mit dem Kloster Gelati, etwa sechs Kilometer entfernt, kombiniert und ergibt zusammen einen kompletten Halbtagesausflug von Kutaisi aus. Der Eintritt ist frei; eine kleine Spende in der Schale neben der Tür wird gerne gesehen.

Geschichte

Das Kloster Motsameta wurde im 11. Jahrhundert an der Stelle gegründet, wo laut Überlieferung die Araber die Leichen der Fürsten David und Konstantin von Argveti in den Fluss Tskhaltsitela geworfen hatten, nachdem diese um das Jahr 736 das Martyrium erlitten hatten. Sie hatten sich geweigert, das Christentum abzuschwören, und wurden von den Truppen des arabischen Statthalters Marwan II. hingerichtet. Der Name Motsameta bedeutet auf Georgisch «Ort der Märtyrer». Die heutige Kirche mit ihrem für die mittelalterliche georgische Architektur typischen einbeschriebenen Kreuzgrundriss stammt aus dem 11. Jahrhundert, wurde aber zu verschiedenen Zeiten restauriert, zuletzt im 20. Jahrhundert. Die beiden Fürsten wurden von der Georgisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen; ihre Reliquien befinden sich noch heute in dem Sarkophag, der den Innenraum beherrscht, und werden bis heute verehrt.

Was zu sehen & erleben

  • Felssporn über dem Canyon Der Zugangspfad verläuft auf beiden Seiten des schmalen Vorsprungs; an klaren Tagen sieht man das Grün des Waldes am Grund des Tskhaltsitela-Canyons. In mehreren Abschnitten kein Geländer: Vorsicht mit Kindern.
  • Kirche der Heiligen David und Konstantin Schlichter Innenraum mit gedämpftem Licht. Die Gewölbefresken und die der Kirchenschiff sind teilweise beschädigt, aber die erhaltenen sind von bemerkenswerter malerischer Qualität. Der Ikonostas ist schlicht und aus dunklem Holz.
  • Bronzereliefs am Westportal Die Türen der Westfassade tragen Reliefs mit den Figuren der Herzöge von Argveti; es lohnt sich, vor dem Eintreten innezuhalten und sie zu betrachten.
  • Sarkophag-Ritual Die Gläubigen kriechen dreimal unter dem hölzernen Sarkophag mit den Gebeinen von David und Konstantin hindurch. Dem Ritual beizuwohnen — oder daran teilzunehmen, wenn man sich damit wohl fühlt — ist die prägendste Erfahrung in Motsameta.
  • Aussicht über das Tskhaltsitela-Tal Vom Rand des Vorsprungs sieht man den Fluss, der zwischen Felswänden eingeklemmt fließt. Das beste Licht herrscht am frühen Morgen.
  • Waldpfad zum Kloster Der Abschnitt durch Buchen und Kiefern zwischen dem Parkplatz und dem Kloster ist besonders angenehm im Frühling und zu Beginn des Herbstes.

Fotogalerie

Eingangstor zum Klosterbezirk Motsameta und TurmBronzereliefs der Herzöge von Argveti am Westportal von MotsametaKuppel und Westfassade des Klosters Motsameta von der Brücke ausKuppelgewölbefresken in der Motsameta-KircheSchiffgewölbefresken in der Klosterkirche MotsametaIkonostas der Klosterkirche MotsametaBlick auf Kirche und Glockenturm des Klosters MotsametaTskhaltsitela-Flusstal vom Felssporn des Klosters Motsameta aus

Anreise

Das Kloster Motsameta liegt etwa 6 km nordwestlich von Kutaisi. Von der Stadt aus ist ein Taxi am praktischsten (ca. 15–20 Lari für Hin- und Rückfahrt mit halbstündiger Wartezeit; den Preis vorher aushandeln). Es gibt keine direkte öffentliche Verkehrsverbindung. Mit dem eigenen Auto dauert die Fahrt auf der Straße nach Gelati etwa fünfzehn Minuten. Üblicherweise besucht man zuerst Gelati und dann Motsameta, obwohl die umgekehrte Reihenfolge genauso gut funktioniert.

Beste Reisezeit

Der Frühling (April–Juni) ist die angenehmste Zeit: der Wald entlang des Pfades ist grün, die Temperaturen liegen bei 18–24 °C und das Licht ist gut für Fotos. Der Herbst bietet warme Farben in den Buchen und weniger Besucher als im Sommer. Im Juli und August ist es heiß, wobei der Tskhaltsitela-Canyon die Temperatur etwas mildert. Der Winter in Imeretien ist regnerisch und kalt; der Pfad kann matschig sein und der Felsen des Vorsprungs wird rutschig.

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