Zehneckiger Grabturm aus dem 12. Jahrhundert in Nakhchivan, Meisterwerk des Architekten Ajami Nakhchivani und der seldschukischen Architektur im Kaukasus.

Lage im Kaukasus

Beschreibung

Wenn man sich dem Mausoleum von Momine Khatun nähert, fällt als erstes die Proportion auf: ein zehneckiger Turm von fast 25 Metern, der für seinen Sockel zu schlank wirkt. Der dunkle Sandstein absorbiert das intensive Licht von Nakhchivan je nach Tageszeit unterschiedlich, und die geometrischen Reliefs, die alle zehn Seiten entlangziehen, sind selbst vom gegenüberliegenden Bürgersteig aus gut zu erkennen. Man muss nicht hineingehen, um zu verstehen, dass man vor etwas steht, das mit ungewöhnlicher Präzision gebaut wurde.

Der Innenraum ist bewusst schlicht gehalten. Eine Grabkammer birgt die Überreste von Momine Khatun, Gattin des seldschukischen Herrschers Atabeg Jahan Pahlavan. Das Rippengewölbe und das durch kleine Öffnungen gefilterte Licht schaffen eine ruhige, fast intime Atmosphäre, weit entfernt vom Lärm der Stadt. Es gibt keine üppige Ornamentik: die Geometrie ist alles. Das Außengelände ist gepflegt und ermöglicht es, langsam um den Turm herumzugehen, bei jedem Feld innezuhalten und die feinen Variationen zwischen den Bändern der kufischen Inschriften zu vergleichen.

Wenige Meter entfernt steht der Turm von Yusuf ibn Kuseyir, älter und etwas niedriger, ebenfalls ein Werk desselben Meisters. Beide stehen mitten in der modernen Stadt, umgeben von Wohnblöcken aus sowjetischer Zeit und Geschäften des Viertels. Die Gegenüberstellung ist abrupt und vollkommen ehrlich: Nakhchivan hat kein Museum um sie herum errichtet, sondern sie einfach stehen lassen.

Geschichte

Das Mausoleum von Momine Khatun wurde Ende des 12. Jahrhunderts vom Architekten Ajami Nakhchivani errichtet, einer zentralen Figur der mittelalterlichen kaukasischen Architektur, der auch den Turm von Yusuf ibn Kuseyir erbaute, der Jahrzehnte zuvor in derselben Stadt entstand. Nakhchivan war damals ein kultureller und kommerzieller Knotenpunkt der seldschukischen Welt, ein Berührungspunkt zwischen iranischen Dekortraditionen und den geometrischen Systemen Zentralasiens. Der Name Möminə Xatun, der als gläubige Frau übersetzt wird, spiegelt die Verehrung wider, die ihre Person zu Lebzeiten und nach dem Tod umgab. Der Turm wurde im Rahmen der historischen Denkmäler Aserbaidschans von der UNESCO zum Erbe erklärt und bleibt das meistuntersuchte Beispiel des Werks von Nakhchivani.

Was zu sehen & erleben

  • Der zehneckige Turm Zehn Seiten mit Bändern von kufischen Inschriften und geometrischen Motiven, die sich leicht voneinander unterscheiden; ihn langsam zu umrunden ist der beste Weg, diese Unterschiede Feld für Feld wahrzunehmen.
  • Sandstein-Arabesken Die Schnitzarbeit ist fein und durchgängig: verschlungene Knoten, achtspitzige Sterne und geometrische Gitter, die kein Muster exakt wiederholen. Näher als einen Meter heranzugehen enthüllt Details, die aus der Ferne verlorengehen.
  • Grabkammer im Inneren Zu den üblichen Öffnungszeiten ohne Einschränkungen zugänglich. Das Rippengewölbe ist das gelungenste architektonische Element des Innenraums; das Licht fällt schräg ein und verändert sich mit der Tageszeit.
  • Turm von Yusuf ibn Kuseyir Weniger als hundert Meter entfernt ermöglicht dieser ältere Turm desselben Ajami Nakhchivani zu vergleichen, wie sich sein Stil von einem Werk zum nächsten entwickelte. Kleiner, strenger, ebenso präzise.
  • Städtische Umgebung von Nakhchivan Der Kontrast zwischen der mittelalterlichen Architektur und dem sowjetischen und zeitgenössischen Stadtgewebe, das sie umgibt, ist ein echter Teil des Besuchs. Es gibt keine Pufferzone und keine historische Inszenierung: das Mausoleum koexistiert mit der Stadt, wie sie ist.

Fotogalerie

Anreise

Nakhchivan ist eine autonome Region Aserbaidschans ohne Landverbindung zum Rest des Landes. Die einzige praktische Möglichkeit ist ein Flug von Baku mit Azerbaijan Airlines; die Strecke dauert etwa 50 Minuten und es gibt mehrere tägliche Flüge. Der Flughafen liegt etwa 5 km vom Zentrum entfernt. Das Mausoleum von Momine Khatun befindet sich mitten im Stadtzentrum: zu Fuß vom historischen Kern oder per Taxi für weniger als 5 aserbaidschanische Manat erreichbar.

Beste Reisezeit

Frühling (April-Mai) und Herbst (September-Oktober) bieten die angenehmsten Bedingungen: zwischen 15 und 25 Grad und ein seitliches Licht, das die Steinreliefs des Turms gut hervorhebt. Der Sommer überschreitet häufig 35 Grad, und die Mittagssonne flacht die bildhauerischen Details auf Fotos ab. Der Winter bringt gelegentliche Fröste, aber klare Tage erzeugen ein sehr scharfes Licht, und das Denkmal ist zu keiner Jahreszeit überlaufen.

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