Maralgol-See
Maralgöl
Alpensee inmitten von Buchenwäldern im Ganja-Gebirge auf 1800 m, ohne Infrastruktur und außerhalb des aserbaidschanischen Sommers nahezu menschenleer.
Lage im Kaukasus
Beschreibung
Der Maralgol-See liegt auf etwa 1800 Metern Höhe an den südlichen Ausläufern des Großen Kaukasus, im Bergland nördlich von Ganja. Der Name stammt aus dem Aserbaidschanischen Maralgöl und bedeutet «Hirschsee» — und das ist kein leerer Name: Der Kaukasische Rothirsch ist noch immer in diesen Wäldern heimisch, wenngleich man dafür früh aufstehen und etwas Glück mitbringen muss. Die Wasserfläche ist knapp über einen Kilometer lang; die Farbe ist ein tiefes, dichtes Grün — fast undurchsichtig — und spiegelt die Buchen- und Eichenhänge wider, die den See auf drei Seiten umgeben.
Von Ganja zum Maralgol-See sind es etwa 90 km, die letzten Abschnitte ohne Asphalt. Der Weg führt durch ein bewaldetes Tal, das allein schon die Reise lohnt: Die Buchen stehen dicht, das Licht fällt gefiltert durch das Blätterdach, und im Herbst bedeckt ein Teppich aus gelben und kupferfarbenen Blättern den Boden. Im Sommer kommen an Wochenenden aserbaidschanische Wandergruppen zum Zelten ans Ufer; unter der Woche oder im Frühjahr und Herbst ist der Ort praktisch verlassen.
Es gibt weder Restaurants noch Herbergen noch einen organisierten Parkplatz am See. Essen, ausreichend Wasser und Campingausrüstung sollte man mitbringen, wenn man übernachten möchte. Die Temperaturen am Maralgol liegen im Sommer zwischen 15 und 22 Grad; die Nächte kühlen spürbar ab, selbst im Juli. Die Stille — nur von Vogelgezwitscher und dem Wind in den Buchen unterbrochen — ist das Hauptargument für diesen Ort.
Geschichte
Die Hochweide und die Wälder rund um den Maralgol-See dienten jahrhundertelang als Yaylaq — Sommerweiden — für Gemeinschaften, die ihre Herden von den Ebenen des Kura herauftrieben. Das Gebiet gehörte bis zur russischen Annexion Anfang des 19. Jahrhunderts zum Khanat Ganja. An den umliegenden Hängen wurden Petroglyphen und Gräber aus der Bronzezeit dokumentiert, wenngleich der See selbst keine eigenen historischen Denkmäler aufweist. In der Sowjetzeit wurde das Gebiet als Waldreservat unter Teilschutz gestellt, was den guten Erhaltungszustand der Ganja-Gazakh-Wälder entlang der Zufahrt erklärt.
Was zu sehen & erleben
- Maralgol-See Die dunkelgrüne Wasserfläche, umgeben von Buchen. Bei vollständiger Stille ist das Spiegelbild des Waldes auf der Oberfläche der eindrucksvollste Moment des Besuchs; am besten morgens ankommen, bevor der Wind den Spiegel bricht.
- Buchenwälder des Zufahrtstals Die Buchen- und Eichenwälder entlang der Piste sind dicht und gut erhalten. Im Herbst — September und Oktober — reichen die Farben von Gelb bis Kupfer, und das Licht durch das Blätterdach ist unvergesslich.
- Waldtiere Mit Geduld in der Morgendämmerung ist es möglich, den Kaukasischen Rothirsch, Wildschweine und eine bemerkenswerte Vielfalt an Waldvögeln zu beobachten. Die besten Sichtungen gibt es an Waldlichtungen, abseits der Campingplätze.
- Wanderungen im Tal Unbeschilderte Wege verbinden die Dörfer im unteren Ganja-Gazakh-Tal mit den oberen Weiden; manche Abschnitte führen zwei bis drei Stunden lang durch unberührten Wald.
- Blick auf den Großen Kaukasus Von den Höhen über dem See sieht man die Kämme des Großen Kaukasus im Norden, mit Schnee auf den höchsten Gipfeln selbst im Sommer.
Fotogalerie
Anreise
Der Maralgol-See liegt etwa 90 km nördlich von Ganja. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel zum See: Man braucht ein eigenes Auto oder ein in Ganja gemietetes Taxi. Die Hauptstraße durch das Tal ist asphaltiert, die letzten Kilometer sind Schotterwege und können nach starkem Regen unpassierbar sein. Von Baku nach Ganja sind es etwa 370 km über die Autobahn (3–4 Stunden); von dort zum See nochmals rund 2 Stunden.
Beste Reisezeit
Der Maralgol-See ist von Mai bis Oktober zugänglich; im Winter schließt Schnee den Zugang und der See kann zufrieren. Juli und August sind Hochsaison unter aserbaidschanischen Wanderern: An Wochenenden gibt es Lagerplätze und etwas Lärm. Frühling (Mai–Juni) und Herbst (September–Oktober) bieten mehr Ruhe und der Wald ist in seiner schönsten Zeit. Temperaturen von 15–22 °C im Sommer; die Nächte sind zu jeder Jahreszeit frisch.