Drei Kirchen aus rosafarbenem Tuffstein aus dem 10. Jahrhundert am Fluss Akhurian, in einer stillen Schlucht 10 km von Gjumri entfernt, mit sehr wenigen Besuchern.

Lage im Kaukasus

Beschreibung

Das Kloster Marmashen liegt versteckt in einer Mulde am Fluss Akhurian, etwa 10 Kilometer nordwestlich von Gjumri, fast an der Grenze zur Türkei. Von der Hauptstraße aus ist es nicht zu sehen: Man muss einen Feldweg bis zum Boden der Schlucht hinabsteigen, um die drei Kirchen aus rosa vulkanischem Tuffstein zwischen hohem Gras und alten Pappeln zu finden. Das Geräusch des Flusses hört man, bevor man das Ensemble zu Gesicht bekommt.

Die Hauptkirche, St. Stephan, besitzt die Proportionen und die feine Steinmetzarbeit der klassischen armenischen Architektur: der Kuppeltambour mit dekorierten Fenstern, Flechtfriese und in die Wände eingelassene Khatchkar. Die zweite Kirche ist teilweise eingestürzt, was den Wandquerschnitt freilegt und die verschiedenen Rosatöne des Tuffsteins je nach Lichteinfall sichtbar macht. Die dritte ist kleiner und schlichter. Es gibt keine Wächter, keinen Souvenirladen, kein Café in der Nähe: nur die Gebäude und die Schlucht.

Marmashen empfängt deutlich weniger Besucher als Haghpat oder Sanahin, was den Besuch besonders ruhig macht. Gjumri, Armeniens zweitgrößte Stadt, ist etwa 15 Autominuten entfernt und bietet Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants zu vernünftigen Preisen.

Geschichte

Marmashen wurde Ende des 10. Jahrhunderts von der Familie Pahlavuni gegründet, armenischen Adligen, die die Region Shirak regierten. Die Hauptkirche, die dem heiligen Stephan geweiht ist, wurde zwischen 998 und 1029 erbaut und gilt als eines der repräsentativsten Beispiele des klassisch-mittelalterlichen armenischen Stils. Das Kloster wurde mehrfach durch Invasionen verwüstet, darunter der mongolische Einfall im 13. Jahrhundert, und in späteren Epochen teilweise restauriert. Seine Lage in der Schlucht des Akhurian — verhältnismäßig geschützt — ermöglichte es ihm, sich besser zu erhalten als andere Anlagen auf dem Shirak-Plateau.

Was zu sehen & erleben

  • Kirche des hl. Stephan (10.–11. Jh.) Die Hauptkirche des Ensembles mit Kuppeltambour, Flechtfriesen und Khatchkar in den Wänden. Das Innere ist schlicht und gut proportioniert; das Licht fällt je nach Tageszeit unterschiedlich ein.
  • Zweite Kirche als Ruine Die teilweise eingestürzten Mauern legen die Bautechnik offen. Die vulkanischen Tuffsteine zeigen je nach Lichteinfall unterschiedliche Rosa- und Orangetöne.
  • Drittes Oratorium Eine kleinere, schlichtere Kapelle, die das Klosterensemble vervollständigt. Sie ist normalerweise geschlossen, aber das Äußere ist einen Blick wert.
  • Umgebung des Flusses Akhurian Die Schlucht mit dem Fluss in der Tiefe und der Ufervegetation verleiht dem Ensemble im Sommer eine geborgene und kühle Atmosphäre. Im Frühjahr führt der Fluss kräftiges Wasser.
  • Blick auf das Shirak-Plateau Vom Schluchtenrand aus sieht man das vulkanische Plateau und an klaren Tagen den Berg Aragats in der Ferne.

Fotogalerie

Gesamtansicht des Klosters Marmashen in der Schlucht des Flusses Akhurian, ArmenienHauptkirche von Marmashen mit Kuppeltambour und rosafarbenem Tuffstein, ArmenienDetail der Khatchkar an den Wänden des Klosters Marmashen, ShirakRuinen der zweiten Kirche von Marmashen am Fluss Akhurian, Armenien

Anreise

Marmashen liegt etwa 10 km nordwestlich von Gjumri, Armeniens zweitgrößter Stadt. Von Gjumri aus empfiehlt sich ein lokales Taxi (ca. 15–20 Minuten; Wartezeit mit dem Fahrer aushandeln). Mit dem eigenen Auto fährt man in Richtung Artik und dann einen Feldweg hinab in die Schlucht. Von Jerewan fahren häufig Marschrutkas nach Gjumri (ca. 1,5 Stunden). Vom Gjumri gibt es keinen direkten öffentlichen Nahverkehr zum Kloster.

Beste Reisezeit

Das Shirak-Plateau hat trockene, sonnige Sommer (20–28 °C) und harte, schneereiche Winter. Das Frühjahr (Mai–Juni) ist angenehm, mit grünem Gras und dem Akhurian mit gutem Wasserstand. Der Herbst (September–Oktober) ist ruhig und trocken. Im Winter kann der Feldweg in die Schlucht unpassierbar werden. Der vulkanische Tuffstein des Klosters Marmashen verändert seine Farbe: Am späten Nachmittag nimmt er goldene Töne an, die er morgens nicht hat.

Weitere Informationen

Foto: Armenak Margarian · CC BY-SA 4.0