Khor Virap
Խոր Վիրապ
Armenisches Kloster in der Ararat-Ebene, wenige Meter von der türkischen Grenze, mit dem verschneiten Berg Ararat als Kulisse.
Lage im Kaukasus
Beschreibung
Bei der Ankunft in Khor Virap ist das Erste, was den Blick festhält, nicht das Kloster, sondern der Berg. Der Berg Ararat nimmt fast die gesamte westliche Himmelshälfte ein, und an klaren Tagen scheint der Schnee auf dem Gipfel zum Greifen nah. Der Kontrast zwischen der trockenen, gelben Ebene des Araxes-Tals und diesem weißen Gipfel ist so ausgeprägt, dass es schwerfällt, den Blick abzuwenden, um das Gelände zu betreten.

Das Ensemble selbst ist kompakt: die Hauptkirche der Gottesmutter (17. Jh.), eine ältere Kapelle und darunter die Grube, in der nach der Überlieferung Gregor der Erleuchter dreizehn Jahre lang gefangen gehalten wurde, bevor er König Tiridates III. bekehrte. Man steigt eine senkrechte Metallleiter rund sechs Meter in fast vollständige Dunkelheit hinab — das vermittelt eine recht anschauliche Vorstellung vom Gewicht der Legende.
Das Kloster empfängt den ganzen Tag über Reisebusse aus Jerewan, sodass die Mittagsstunden laut sein können. Wer vor neun Uhr oder bei Sonnenuntergang ankommt, wenn das Streiflicht den Ararat orange färbt, erlebt einen ganz anderen Besuch. Am Parkplatz gibt es Händler mit Trockenfrüchten und Lavash-Brot sowie ein einfaches Café beim Eingang.
Geschichte
Die Geschichte des Ortes dreht sich um Gregor den Erleuchter, der Ende des 3. Jahrhunderts auf Befehl von König Tiridates III. in eine Grube geworfen wurde. Nach dreizehn Jahren ließ ihn der König selbst frei, und im Jahr 301 wurde Armenien zum ersten Staat der Welt, der das Christentum als Staatsreligion annahm. Der Name Khor Virap bedeutet auf Armenisch «tiefe Grube».

Über dieser Grube wurde im 7. Jahrhundert eine Kapelle errichtet, die mehrfach umgebaut wurde. Die heutigen Strukturen, einschließlich der Kirche der Gottesmutter, stammen größtenteils aus dem 17. Jahrhundert, obwohl der Ort ohne Unterbrechung verehrt wurde.
Was zu sehen & erleben
- Gregors Grube Eine Metallleiter führt etwa sechs Meter in die unterirdische Zelle hinab, in der nach der Überlieferung der Erleuchter gefangen war. Der Raum ist eng, dunkel und feucht; ein paar Minuten darin zu verbringen hilft zu verstehen, warum dieser Ort für die Armenier so viel Gewicht hat.
- Kirche der Gottesmutter Das Hauptgebäude aus dem 17. Jahrhundert mit kargem Innenraum und einigen teilweise verblassten Wandmalereien. Die Akustik ist bemerkenswert, wenn gerade ein liturgischer Gesang erklingt.
- Mauern und Blick auf den Ararat Von der Umfassungsmauer öffnet sich die weiteste Aussicht: die Ebene, der Fluss Araxes und der Große Ararat mit seinem Satelliten, dem Kleinen Ararat, direkt daneben.
- Türkisch-armenische Grenze Das Kloster steht buchstäblich wenige Meter vom Stacheldraht entfernt, der die seit 1993 geschlossene Grenze markiert. Den Ararat auf türkischem Boden vom armenischen Boden aus zu sehen, hat eine historische Last, die schwer zu übergehen ist.
- Südlicher Hügel Ein fünfminütiger Aufstieg auf den Hügel hinter dem Parkplatz bietet die klassische Einstellung: das Kloster unten und der Ararat dahinter, ohne Zaun dazwischen.
Anreise
Von Jerewan fahren Marschrutkas vom Shengavit-Markt nach Artashat; von dort muss man ein weiteres lokales Fahrzeug nach Khor Virap nehmen oder ein Taxi für rund 3.000–4.000 Dram mieten. Am bequemsten ist es, ein Auto zu mieten (45 km südlich auf der Straße M2, ca. 45 Minuten) oder eine ganztägige Tour zu buchen, die das Kloster mit Garni, Geghard oder der Weinkellerei Areni verbindet. Es gibt keine direkte öffentliche Verbindung vom Zentrum Jerewans.
Beste Reisezeit
Von April bis Juni ist die Landschaft grün und die Tage sind kühl, zwischen 15 und 22 Grad; der Ararat ist morgens meist wolkenfrei, bevor sich Wolken über dem Gipfel bilden. Juli und August sind heiß in der Ebene, mit Höchstwerten über 35 Grad und kaum Schatten im Ensemble. September und Oktober bringen goldenes Licht und moderate Wärme. Im Winter wird die Landschaft karg, aber der Ararat mit frischem Schnee entschädigt; die Temperaturen können unter null sinken.
Weitere Informationen
Foto: Vyacheslav Argenberg / Wikimedia Commons · CC BY 4.0