Archäologisches Reservat mit über 6.000 Felszeichnungen, UNESCO-Welterbe, 65 km von Baku, neben aktiven Schlammvulkanen.

Lage im Kaukasus

Beschreibung

Gobustan erstreckt sich über eine karge Landschaft aus flachen Hügeln und Sandsteinaufschlüssen etwa 65 km südlich von Baku. Der Name stammt vom aserbaidschanischen qobu, das Schlucht oder Klamm bedeutet, und beschreibt das Gelände treffend: wellig, steinig, mit spärlicher Steppenbepflanzung, die im Frühling kurz grün wird. Die Stille hier hat ein Gewicht; nur der Wind und gelegentlich das Klicken einer Kamera.

Der Park hat zwei verschiedene Zonen. Die Hauptzone rund um den Berg Böyükdaş konzentriert die höchste Dichte an Felszeichnungen: menschliche Figuren mit erhobenen Armen, Schilfboote, Ziegen, Kamele und Jagdszenen, in übereinander liegenden Schichten auf denselben Fels geritzt, als hätte jede Generation ihre Signatur über die vorherige setzen wollen. Holzstege führen durch die Anlage, ohne dass man die Oberflächen betreten muss. Das Gobustan-Museum, modern und klimatisiert, verdient mindestens vierzig Minuten vor dem Aufenthalt im Freien: seine Modelle und Tafeln auf Aserbaidschanisch und Englisch liefern den chronologischen Kontext, ohne den viele Gravuren lediglich wie Striche im Stein wirken.

Etwa 12 km vom Park entfernt sind die Gobustan-Schlammvulkane etwas völlig anderes. Es gibt weder Feuer noch Wärme: Es handelt sich um flache Hügel aus grauem Ton, aus denen kühler Schlamm langsam und fast lautlos herausbrodelt. Die Textur des unter der Sonne blubbernden Schlamms hat etwas Hypnotisches, auch wenn jemand, der vulkanische Dramatik erwartet, etwas enttäuscht abzieht. Der Boden ringsum wird bei Regen rutschig. Es lohnt sich, beide Besichtigungen am selben Tag mit einem stundenweise gemieteten Taxi aus Baku zu kombinieren.

Geschichte

Die Gravuren von Gobustan wurden von verschiedenen Bevölkerungen angefertigt, die das Gebiet seit dem Mesolithikum, vor etwa 12.000 Jahren, bis ins Mittelalter bewohnten. Mehr als 6.000 dokumentierte Petroglyphen bedecken die Sandsteinfelsen des Berges Böyükdaş, des Berges Kiçikdaş und des Berges Cingirdağ. Zu den überraschendsten Funden gehört eine lateinische Inschrift aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., die die Legio XII Fulminata des Römischen Reiches erwähnt – ein Beweis, dass römische Truppen dieses Land zu Zeiten des Kaisers Domitian patrouillierten. Die UNESCO erklärte die Stätte 2007 zum Weltkulturerbe und erkannte sowohl den außergewöhnlichen archäologischen Wert der Petroglyphen als auch die sie umgebende Kulturlandschaft an.

Was zu sehen & erleben

  • Petroglyph-Zone Böyükdaş Das Herz des Parks: die größte Konzentration an Gravuren, mit Figuren von Tänzern, Schilfbooten, Huftieren und Jagdszenen. Die Holzstege erlauben es, sich bis auf wenige Zentimeter an die Felsen heranzutasten, ohne sie zu beschädigen.
  • Gobustan-Museum 2012 am Haupteingang eröffnet, mit Gravur-Repliken, Geländemodellen und einer übersichtlichen Zeitleiste. Es empfiehlt sich, es vor dem Rundgang im Freien zu besuchen, um das Gesehene einordnen zu können.
  • Lateinische Inschrift der Legio XII Ein Fels mit lateinischem Text aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., auf der Hauptroute ausgeschildert. Klein, aber eindrücklich: Rom war hier.
  • Gobustan-Schlammvulkane Etwa 12 km vom Park entfernt stoßen mehrere flache Tonkegel langsam kalten Schlamm aus. Die Schotterpiste kann an Regentagen schwierig sein; am besten vorher informieren.
  • Berg Kiçikdaş und Berg Cingirdağ Nebenzonen des Parks mit weniger Besuchern und gleichermaßen interessanten Gravuren, ideal für alle, die in Ruhe erkunden möchten.

Fotogalerie

Anreise

Von Baku fährt der Bus Nummer 195 von der U-Bahn-Station Avtovagzal ab und erreicht die Stadt Gobustan in etwa 90 Minuten; von dort kostet ein Taxi zum Park zwischen 5 und 8 Manat. Die praktischste Möglichkeit, Park und Schlammvulkane zu kombinieren, ist ein stundenweise gemietetes Taxi in Baku für den ganzen Tag, was je nach Verhandlung rund 40–60 Manat kostet.

Beste Reisezeit

Der Frühling —März bis Mai— ist die beste Jahreszeit: angenehme Temperaturen, klarer Himmel und die Steppenlandschaft mit etwas Grün, bevor die Sonne alles austrocknet. Im Sommer übersteigen die Temperaturen auf freiliegenden Felsen 38 °C; wer im August kommt, sollte nur vor 9 Uhr eintreffen. Der Herbst eignet sich ebenfalls gut. Der Winter ist kalt und windig, aber klare Januartage bieten ein sauberes Licht über dem Sandstein, das Fotografen zu schätzen wissen.